Jan Schütte
Geboren in BRD
Seine Filme kreisen um deutsche Themen, das Fortleben der Vergangenheit, das deutsch-jüdische Verhältnis, biografische Splitter, Armut und Asylanten, Reisende, Beziehungsgeschädigte und Vater-Sohn-Konflikte. Regisseur und Autor Jan Schütte, in den ersten drei Filmen Drehbuchautor mit dem 1995 verstorbenen Schriftsteller Thomas Strittmatter, adaptierte Stoffe von Helmut Krausser bis Leon de Winter und schuf mit "Abschied" ein kritisches Dichterporträt von Bertolt Brecht. Alle seine Filme liefen auf den Festivals von Venedig, Cannes und Locarno, die meisten wurden ausgezeichnet.
Schütte wurde 1957 in Mannheim geboren, studierte Literatur und Kunstgeschichte, arbeitete als Reporter und drehte zwischen seinen Spielfilmen Dokumentarfilme im Essay-Stil, so 1991 "Nach Patagonien", der den Spuren des Globetrotters Bruce Chatwin folgt. 1987 entstand sein erster, auf einem vorhergehenden kurzen Dokumentarfilm beruhender Spielfilm "Drachenfutter" (gemeint sind in Kneipen verkaufte Blumen), der das Schicksal dreier in Hamburg lebender Asylanten verfolgt, speziell des Pakistani Shezad, der Arbeit in einem China-Restaurant findet und es zu schaffen scheint, dann aber doch abgeschoben wird (Premio Critica Venedig, Deutscher Kritikerpreis, Prix François Truffaut).
Schüttes Road Movie "Winckelmanns Reisen" (1990) ist eine Tragikomödie über den erfolglosen Shampoo-Vertreter Winckelmann, der in Schleswig-Holstein arbeitet und sich nicht entschließen kann, seiner Freundin endlich einen Heiratsantrag zu machen (CICAE-Preis Venedig). In "Auf Wiedersehen, Amerika" folgt er 1994 zwei älteren amerikanischen Juden und einer Polin aus Brooklyn, die nach Polen reisen und durch den Aufenthalt im Land ihrer Väter verändert werden. Für die unspektakuläre Odyssee, die in Danzig endet, wurde Schütte mit Bundesfilmpreis, Bayerischem Filmpreis und auf dem Jüdischen Filmfestival in Paris für den besten Film und die beste Musik (Claus Bantzer) ausgezeichnet. Sein Obdachlosendrama "Fette Welt" (1998) nach dem gleichnamigen Roman von Helmut Krausser führt Jürgen Vogel durch die harte Welt der Münchner Berberszene, wo er keine Solidarität sondern die Wolfsmentalität der Gesellschaft erlebt und die Liebesgeschichte mit einer jungen Ausreißerin scheitert. "Abschied" verfolgt 2000 den letzten Sommertag, den der kranke Brecht (Josef Bierbichler) auf seinem Buckower Landsitz im August 1956 in Anwesenheit seines Harems und von Freunden durchlebt, bevor er wieder nach Ost-Berlin fährt. Der Tag konfrontiert ihn mit alten und neuen Lieben und politischem Verrat. "Supertex" (2003), nach Leon de Winters Roman, kreist um einen Vater-Sohn-Konflikt: Der 33-jährige Jude Max Breslauer will aus dem übermächtigen Schatten von Vater Simon, Chef des Amsterdamer Textilimperiums Supertex, ausbrechen und verlässt die Firma, als er entdeckt, dass der angeblich die Traditionen wahrende Vater die Mutter mit einer jungen "Schickse" betrügt. Doch Max' Abnabelung gestaltet sich schwieriger als erwartet.
Schütte über seine Arbeit: "Jeder Film bringt neue Erfahrungen, die ich für den nächsten verwerten kann. Wie sich die Zeit verändert, verändern sich die Visionen und Konzepte. Einen Film zu drehen bedeutet für mich erfüllte Arbeit mit Höhen und Tiefen."