Gernot Roll
Geboren am 09.04.1939 in Deutschland
Neben Michael Ballhaus und Xaver Schwarzenberger ist Gernot Roll einer der meistbeschäftigten deutschsprachigen Kameramänner. Er hat seit 1960 über hundert Film- und TV- Produktionen aufgenommen. Als Regisseur saß er seit 1994 sieben Mal auf dem Regiestuhl und führte gleichzeitig die Kamera. Vor allem die Filme in Zusammenarbeit mit Helmut Dietl, Axel Corti und Edgar Reitz gehören zu den bleibenden Arbeiten des Künstlers, der mühelos zwischen Unterhaltungsfilmen und Anspruch pendelt. Genrefilme, Sexfilme, Kinderfilme und Klamauk finden in seinen Augen ebensolche Aufmerksamkeit wie Biopics oder Autorenfilme. Roll gehört zu den versiertesten Bildschöpfern, weil er in breit gefächerter Stilistik minuziös komponierte Bilder ebenso wie funktional eingerichtete Szenen mit der gleichen Sorgfalt betreut: "Ich muss gut sein, um zu überleben."
Gernot Roll wurde 1939 in Dresden geboren, absolvierte 1953-1956 seine Ausbildung bei der DEFA an der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg und verließ 1960 die DDR Richtung Westen, wo er jahrelang bei der Bavaria in München für über 40 Fernsehspiele und Serien tätig war. Im Spielfilm debütierte Roll 1966 mit "Jet Generation", auch einige Sexfilme ("Erotik auf der Schulbank", 1968) gehen auf sein Konto. Seit 1976 ist er freier Kameramann.
Zu Rolls Schaffen gehören Edgar Reitz' "Stunde Null" (1977) und die erste und zweite Staffel von Reitz' Serie "Heimat". Für Helmut Dietl arrangierte Roll die Studioproduktion "Rossini" (1996) im Scopeformat, mit Kerzenbeleuchtung und mehrfach gestaffelten Bildebenen, sodass Handlungen und Szeneabläufe parallel abliefen, einer der Höhepunkte deutschen Filmschaffens. Seit 1985 ("Welcome in Vienna") für Axel Corti ("Die Hure des Königs", 1990) tätig, übernahm Roll 1994 beim TV-Dreiteiler "Radetzkymarsch" (nach Joseph Roth) erstmals die Co-Regie und führte nach Cortis Tod die Dreharbeiten zu Ende. Die Kombination Regie/Kamera setzte er u.a. im Mallorca-Klamauk "Ballermann 6", in der Komödie "Tach, Herr Doktor" (mit Gert Dudenhöffer) und 2006 mit der Kinderfilmballade "Der Räuber Hotzenplotz" fort.
Roll fotografierte Caroline Links Drama "Jenseits der Stille" und ihren Oscar-Sieger "Nirgendwo in Afrika" und verhalf Sönke Wortmanns Komödien "Kleine Haie" und "Der bewegte Mann" zu gelungenem Bildaufbau. Zu den zahlreichen Auszeichnungen des Künstlers gehören sechs Adolf-Grimme-Preise (für "Heimat", "Welcome in Vienna", "Radetzkymarsch", "Die Manns", den Schubert-Dreiteiler "Mit meinen heißen Tränen"). Drei Mal wurde er mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet (1992 "Meine Tochter gehört mir", "Kleine Haie" und "Wildfeuer", 1994 "Krücke", 2002 "Nirgendwo in Afrika"), erhielt zwei Deutsche Kamerapreise ("Mit meinen heißen Tränen" und als "Ehrenkameramann"), den Bayerischen Filmpreis ("Wildfeuer") und den bayerischen Fernsehpreis ("Bernd Eichingers "Das Mädchen Rosemarie").
Gernot Roll ist der Vater des Schauspielers Michael Roll.